Industriekletterer für gerüstlose Höhenarbeiten
Wenn das Dach eines Kirchturm repariert oder die Fassade eines Hochhauses gereinigt werden muss, kommen sie zum Einsatz: Industriekletterer. In schwindelerregender Höhe führen diese Spezialisten ihre Arbeit durch.
Montagevorgänge und Reinigungsarbeiten an schwer zugänglichen Gebäuden sind arbeitsintensiv und sehr kostenträchtig. Der Einsatz von einem Industriekletterer für gerüstlose Höhenarbeiten kann die Kosten deutlich reduzieren und dabei helfen, Zeit einzusparen. Denn diese speziell geschulten Experten verzichten auf den aufwändigen Aufbau von Gerüsten oder die Nutzung teurer Hubanlagen. Sie arbeiten am Seil und nutzen dabei Techniken, die sich ursprünglich aus dem Bergsport entwickelt haben. Das ermöglicht ihnen eine deutlich größere Bewegungsfreiheit als Arbeitern, die auf Gerüste oder Kräne angewiesen sind. Auch fallen die meist weiträumigen Absperrungen weg, die Straßenverkehr und Fußgänger behindern. Zu guter Letzt kann ein Industriekletterer auch an schwer zugänglichen Stellen zum Einsatz kommen, an denen der Aufbau eines Gerüstes nicht möglich ist.
Das professionelle Industrieklettern ist vergleichsweise spät entstanden. Zunächst wurden Höhenarbeiten am Seil meist von Alpinisten durchgeführt, erst ab den 1970er Jahren entwickelte sich die Tätigkeit allmählich zu einem eigenen Berufsbild. In Deutschland gründete sich 1995 ein Fachverband, der Experten aus unterschiedlichen Bereichen zusammenführt und Richtlinien für die Ausbildung sowie Sicherheitsstandards festlegt. Ein angehender Industriekletterer muss drei Ausbildungsstufen durchlaufen und dabei jeweils mehrere Hundert Stunden Arbeit am Seil absolvieren. Geschult werden die Kletterer im Anbringen und Befestigen von Seilen, in Klettertechnik sowie in Eigen- und Fremdsicherung. Die meisten Interessenten haben zuvor eine handwerkliche Ausbildung abgeschlossen. Größere Firmen verfügen daher über Industriekletterer mit Erfahrungen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern.
Die Ausbildung muss vom Kletterer selbst bezahlt werden und kostet mehrere Tausend Euro. Die Verdienstmöglichkeiten für diese hochspezialisierte Tätigkeit sind jedoch gut, so dass die Ausbildungskosten sich meist schnell amortisieren. Die Zahl der Industriekletterer, die in Deutschland gewerblich arbeiten, wird auf 1.500 bis 2.000 geschätzt. Das Tätigkeitsfeld ist dabei sehr umfangreich. Industriekletterer führen Wartungs- und Montagearbeiten in großer Höhe durch, zum Beispiel bei Reparaturen von Kirchtürmen. Sie warten Windkraftanlagen, kümmern sich um die Reinigung von Gebäudefassaden, erstellen Baugutachten oder bringen Werbebanner an. Auch das Befestigen von Blitzableitern, die Sanierung von Schornsteinen oder Maßnahmen zur Taubenabwehr gehören zum Aufgabengebiet. Bisweilen gibt es sogar Aufträge im Dienste der Kunst: Als ein bekanntes französisches Künstlerpaar 1995 ein deutsches Regierungsgebäude mit Stoffbahnen verhüllen ließ, waren rund 90 professionelle Kletterer im Einsatz.